Wochenbrief 37: 7.9. – 11.9.26

Der Wochenbrief soll immer wieder Einblick in das bieten, was an der KZO gerade läuft. Ende August und Anfang September sind dies insbesondere die Geografie-Exkursionen der 5. Klassen. Sie gehören zu den prägenden Momenten einer KZO-Laufbahn und lassen sich besser erleben als beschreiben. Deshalb übergebe ich heute das Wort an die Klasse M5a für eine Postkarte vom Morteratschgletscher.

Wie eine Gruppe von Menschen, die auf einem fremden Planeten gelandet ist – so haben wir uns auf unserer Tour auf dem Morteratschgletscher gefühlt. Wir sind eingetaucht in die faszinierende Welt aus Eis und Gestein, haben gestaunt über die spektakulären Gletscherspalten und uns gefreut, als wir die Gletscherflöhe, die einzigen ständigen Gletscherbewohner, doch noch gefunden haben.

Grüsse von der Geografie-Exkursion, die Klasse M5a und Madeleine Fitze

Wochenbrief 36: 31.8. – 4.9.26

Der Rektor der KZU ist neidisch auf uns – genauer auf unser «Nur ein Kuss». So schrieb er in einem seiner Wochenbriefe im letzten Juni: «Der Leitspruch der Kanti Wetzikon ist witzig, scheint weit hergeholt, ist aber einzigartig, weil er wirklich nur für die KZO geht. […] Ich bin mit einigen Wetziker Lehrpersonen und Abgänger_innen persönlich verbandelt und gebe zu, dass ich immer etwas neidisch auf ‘den Kuss’ gewesen bin.»

Ich bin mir unsicher, ob man das Graffito «Nur ein Kuss» tatsächlich wie der KZU-Rektor als Leitspruch bezeichnen kann. Wäre ein solcher nicht ein Slogan, der das Zusammenleben, Lernen und Arbeiten an einer Schule prägen sollte? Das Stichwort «Küssen» scheint in diesem Zusammenhang zunächst wenig passend. Und doch wärmt das Graffito jedes Mal mein Herz, wenn ich mich der Schule von der Bühlstrasse her nähere. «Nur ein Kuss» stiftet eine gemeinsame Identität. «Kuss» heisst unsere Schüler*innenzeitung, das Lehrpersonenteam startet unter dem Slogan seit Jahren an der SOLA-Stafette (bei der wohlgemerkt die kleine Schwester KZU deutlich schneller ist), der «Kuss» ist ein Wahrzeichen unserer Schule, um den sich Legenden ranken.

Entstanden ist er mitten in einer Nacht im Jahr 1987, kurz vor der feierlichen Einweihung des frisch renovierten Schulhauses. Wer den Schriftzug hinterlassen hat, ist bis heute ungeklärt. Die damalige Schulleitung liess ihn stehen. (Mehr dazu in einem Text von Roman Spörri im bald erscheinenden Jahresbericht 2025/26.)

Prägend für unsere Schule scheint mir der Umgang mit dem Graffito. Dass es stehenbleiben durfte, sagt viel über die Schulkultur der KZO. Mich freut am «Kuss» bis heute, dass eine Schule stark genug sein kann, nicht alles kontrollieren und reglementieren zu müssen. Dass sie Raum lässt für Überraschungen, Geschichten und Eigenwilligkeiten.

 

Franziska Meister, Rektorin

Wochenbrief 35: 24.8. – 28.8.26

Bereits am Chilbimontag kommt jeweils wieder mehr Leben in die KZO. Im Kopierraum stapeln sich Pakete voller Bücher, die nun ausgepackt werden, der Kopierer läuft nach langer Pause wieder heiss. Die Postfächer der Lehrpersonen sind gefüllt mit Spesenblättern und dem neuen Schüler*innenverzeichnis, dessen Farbe jedes Jahr wechselt. Auf Lachsorange folgt 2026/27 Königsblau. Das Lehrpersonen­zimmer füllt sich und beim Mittagessen im Lehrer*innengärtchen berichtet man sich von den Sommerferien. – Wo warst du? Was hast du gelesen? Japan, Österreich, Schweizer Alpen, Brandenburg. Yesteryear, What We Can Know, Among Friends, Die zweitgrösste Liebe.

Auch die Nervosität steigt. Die Stuzus (die stufenzuständigen Schulleitungs­mitglieder) gehen ihre Begrüssungsreden nochmals durch, der Haustechniker legt den Rednerinnen die Headsets an und prüft allenfalls störenden Ohr­schmuck. Der Musiklehrer richtet die Bühne für den Auftritt der Band Ilumyte ein. Der Blumen­schmuck fehlt noch.

Am nächsten Morgen, als sich die Aula mit den neuen Drittklässler*innen füllt, sind die Sonnenblumen dann da. Alle wirken etwas angespannt. Andrea Looser, die als Stuzu zum ersten Mal einen Jahrgang in Empfang nimmt, die Schüler*innen, die gespannt darauf warten, wer ihre Klassengspänli sein werden, die Klassenlehrpersonen, die wissen wollen, was für eine Klasse sie erwartet. Während die Band nonchalant Holiday von Green Day anstimmt, wird sogar unser Leiter des Hausdiensts kurz kreidebleich, weil an der Leinwand kein Bild erscheint. Der Schreckmoment ist nur kurz, kaum hat die Rede begonnen, ist das Bild plötzlich da.

Ich werfe einen letzten Blick auf meinen Text. Auch ich habe gleich einen Auftritt. Nervosität gehört dazu. Bestimmt war sie auch bei den Bandmitgliedern da, man merkte es ihnen bloss nicht an. Wer gar nicht mehr angespannt ist vor einem Auftritt, dem fehlt eine gewisse Ernsthaftigkeit, die man seinem Publikum schuldet.

 

Franziska Meister, Rektorin

 

Ein grosses Dankeschön an Ladina Berweger M6, Lea Debrunner AW6, Benno Nötzli W3b, Alina Vollmar M6 und Nina Langenegger N4a von der Band Ilumyte sowie an Daniel Manhart für die Organisation und Betreuung.

Wochenbrief 34: 17.8. – 21.8.26

«[…] und dann gehe ich nach draußen, atme die warme, weiche Sommerluft ein. Sie kitzelt in meiner Nase, lädt dazu ein, mit dem Rad über die Felder zu fahren, mit wehenden Haaren. Es ist eine Luft, bei der man sich auf einmal fragt, warum man noch niemals in ein Schwimmbad eingebrochen ist, die einen umhüllt wie frisch gemähtes Gras, die sich anfühlt wie abends am Lagerfeuer sitzen und nachts in Unterwäsche baden gehen.» (Aus: Hanka, Inga. Little Hollywood. Hamburg 2025.)

Der Roman «Little Hollywood», den ich diesen Sommer gelesen habe, wird in manchen Rezensionen als der «perfekte Sommerroman» beschrieben. Wir Leser*innen folgen darin Leo, die einen letzten Sommer in ihrer Heimat verbringt, eine erste Liebe erlebt und sich fragt, ob sie es wagen soll, ihren beruflichen Traum in Angriff zu nehmen.

Dass der Roman im Jahr 1999 spielt, als ich etwa gleich alt war wie Leo, liess mich in die Zeit meiner Jugend eintauchen. Berührt hat mich aber vor allem das nostalgische Sommergefühl, das in den obigen Zeilen und im gesamten Roman spürbar ist.

Das Sommerferiengefühl hat etwas Paradoxes. Auf der einen Seite ist da – zumindest zu Beginn der grossen Ferien – der Eindruck, eine schier endlos scheinende Phase freier Zeit zur Verfügung zu haben. Genug Musse für Unternehmungen, Reisen, Lektüre oder schlicht fürs Faulenzen. Daneben spüren viele von uns auch den Drang nach Veränderung. Als Lehrperson ein neues Semesterprogramm zu gestalten, sich methodisch an Neues zu wagen, als Schüler*in sich in den Sommerferien neu zu erfinden.

Für manche von uns folgt nach den Sommerferien tatsächlich ein Neubeginn: der Start im U1 oder in einer dritten Klasse. Die KZO ist noch fremd, vielleicht sogar etwas furchteinflössend. Auch einige Lehrpersonen sind «Neulinge» an der KZO, und auf die meisten von uns warten eine oder gar mehrere unbekannte Klassen. Wieder andere beziehen ein frisch renoviertes Schulleitungsbüro oder haben wie ich ein neues Schild an der Tür.

Ich wünsche allen KZO-Angehörigen den Mut, wie Leo – Achtung, Spoiler – etwas zu wagen. Vielleicht ist das die schönste Seite des Sommerferiengefühls: dass die Zukunft für einen kurzen Moment mehr Möglichkeiten als Gewissheiten bereithält.

 

Franziska Meister, Rektorin