Monatsbrief März 2026
Jedes Jahr sorgt die Zentrale Aufnahmeprüfung (ZAP) im Kanton Zürich in dieser Jahreszeit für Schlagzeilen über Leistungsdruck, Prüfungsangst und soziale Ungerechtigkeit. Das Aufnahmeverfahren ist allerdings trotz hoher Anforderungen ein zuverlässiges und nachvollziehbares Instrument, um den Zugang zum Gymnasium zu regeln.
Der wichtigste Vorteil der zentralen Prüfung liegt in ihrer Objektivität. Alle Kandidatinnen und Kandidaten absolvieren zur gleichen Zeit dieselben Prüfungen unter identischen Bedingungen. Die Aufgaben werden von erfahrenen Fachpersonen entwickelt und nach einheitlichen Kriterien korrigiert. Die ZAP bietet so einen verlässlichen Massstab, minimiert subjektive Einflüsse und stellt sicher, dass die Bewertung unabhängig von der Herkunftsschule, dem Wohnort oder persönlichen Beziehungen erfolgt. Zudem berücksichtigt das Zürcher System nicht ausschliesslich die Prüfungsleistung. Mit einer Gewichtung von 50 Prozent Erfahrungsnote aus der Volksschule wird sowohl die Leistung am Prüfungstag als auch die kontinuierliche Arbeit einbezogen. Diese Kombination federt Zufallsergebnisse und Tagesform ab und entschärft den Druck des ‚einen entscheidenden Tages‘.
In einer Zeit, in der Bildungsgerechtigkeit zurecht einen hohen Stellenwert geniesst, mag die ZAP zwar schwierig sein. Sie bietet aber gerade durch ihre Einheitlichkeit Gewähr für ausgewogene, neutrale Bedingungen. Selbstverständlich kann und soll das System verbessert werden. Verstärkte Bestrebungen um eine qualitativ hochstehende kostenlose Prüfungsvorbereitung wären diesbezüglich ein sinnvoller Ansatz.
Auch die Kritik am Leistungsdruck ist nachvollziehbar, doch sie verkennt einen wesentlichen Aspekt: Das Gymnasium ist eine anspruchsvolle Schulform, die auf die Maturität und ein akademisches Hochschulstudium vorbereitet. Eine fordernde Aufnahmeprüfung bestätigt das Potenzial und stellt sicher, dass Schülerinnen und Schüler über die notwendigen Grundlagen verfügen, um den folgenden Anforderungen gewachsen zu sein. Die hohen Erfolgsquoten in der anschliessenden Probezeit zeigen: Wer die ZAP besteht, bringt das Rüstzeug mit, um auch später zu reüssieren. Die ZAP dient nicht als Hürde um ihrer selbst willen, sondern als Regulativ. Überforderung am Gymnasium ist schliesslich in niemandes Interesse.
Aleksandar Popov, Rektor