Wochenbrief 40: 28.9. – 2.10.26
«D’Studiewuche isch wie Ferie», diese Aussage schnappte ich Anfang letzter Woche im Zug auf dem Weg an die Schule auf. Zwei Schüler klagten sich gegenseitig ihr Leid über die vielen Prüfungen und richteten den Blick nach vorne in die Studienwoche. Während die einen aufatmen, sind andere noch mitten in der Arbeit. Viele Lehrpersonen haben in den letzten Wochen rekognosziert, Programme geschrieben, Unterkünfte reserviert und Exkursionen organisiert. Der Entspannung der einen geht eine erhebliche Anspannung der anderen voraus.
Erstklässler*innen verbringen die Woche mehrheitlich an der KZO mit Teambildung, einem Gesundheitshalbtag und einem Tagesausflug in die Gemeinden rund um Wetzikon, zur Insel Lützelau oder ins Technorama. Zweitklässler*innen bauen in Intragna Trockensteinmauern und kochen abends selbst, paddeln Stand Up auf dem Lago Maggiore oder führen in Saas-Almagell Physik-Experimente mit dem Smartphone durch und besichtigen ein Kraftwerk. Drittklässler*innen arbeiten ebenfalls grösstenteils an der KZO und unternehmen eine zweitägige Exkursion – nach Basel, auf die Rigi oder zur Petersinsel nach Biel. Viertklässler*innen arbeiten im Kiental in einem Bergwaldprojekt, diskutieren in Ascona am Monte Verità über Utopien und Dystopien oder erkunden in Saas-Fee den lokalen Tourismus und die Walliser Mundart. Die Fünftklässler*innen sind seit einer Woche nicht mehr an der KZO. Sie absolvieren individuell ein zweiwöchiges Sprachpraktikum – in einem Betrieb, auf einem Bauernhof oder in einer Gastfamilie, je nach Profil in der Romandie oder in einem anderen Sprachgebiet. Maturand*innen betreiben Meeresbiologie auf Giglio oder der Amalfiküste und schnorcheln nachts, lernen in Sardinien Windsurfen und Wingfoilen, radeln fünf Etappen der Rhône entlang von Valence ans Mittelmeer – oder gar auf den Mont Ventoux. Sie besuchen in Wien das Freud-Museum und eine Aufführung an der Volksoper, schlendern durch Paris von Montmartre bis zum Palais Garnier, reisen nach Apulien von Matera bis Lecce oder surfen in Seignosse an der französischen Atlantikküste.
Die Studienwochen gehören für viele Schüler*innen zu den prägenden Erinnerungen ihrer KZO-Zeit. Lernen findet in diesen Tagen ausserhalb des Schulzimmers statt: unterwegs, im Gespräch mit anderen Menschen, bei körperlicher Arbeit, auf Reisen oder beim gemeinsamen Bewältigen unerwarteter Schwierigkeiten.
Wer die Vielfalt der Studienwochen betrachtet, versteht vielleicht, weshalb wir mit Urlaubsgesuchen in dieser Zeit zurückhaltend umgehen. Studienwochen sind keine Ferien. Sie sind Unterricht an einem anderen Ort und in einer anderen Form. Und sie schaffen Erinnerungen, von denen oft noch Jahre später erzählt wird.
Ich wünsche allen Schüler*innen und Lehrpersonen eine wunderbare Woche und freue mich über jede Postkarte.
Franziska Meister, Rektorin