Monatsbrief Februar 2023

Derzeit wird viel über die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf die Bildung und die Bildungseinrichtungen geschrieben.

Dieser Satz liest sich vielleicht etwas seltsam. Er wurde von einem Textgenerator auf Deutsch produziert, dann ins Englische übersetzt und anschliessend wieder ins Deutsche übertragen. Die Software scheint eine Vorliebe für bestimmte Artikel zu haben. Ansonsten kann man nicht viel daran aussetzen. Einst waren solche Hin- und Herübersetzungen eine unerschöpfliche Quelle der Belustigung. Dank ‘Deep Learning’, dem Training von Systemen wie DeepL oder ChatGPT, gehören schlechte computergesteuerte Übersetzungen mittlerweile der Vergangenheit an. Auch schlechte computergenerierte Texte wird es bald nicht mehr geben.

Die neuen Technologien haben Textproduktion und Übersetzung bereits auf den Kopf gestellt. Zahlreiche Unternehmen und textproduzierende Menschen verlassen sich schon seit Jahren stillschweigend, und manchmal schuldbewusst, auf Software. Diese wird mittlerweile nicht mehr als Krücke, sondern als Mittel zur Senkung von Kosten und Durchlaufzeiten genutzt. Am Schluss verfeinert ein Mensch den Text und achtet darauf, dass sprachliche und inhaltliche Ausrutscher vermieden werden. Der Editor einer Maschine zu sein, mag deprimierend klingen. Dies kann jedoch auch andersherum gesehen werden. Wenn man der Maschine einfachere Aufgaben überlässt, hat man mehr Zeit, sich auf seine sprachlichen und fachlichen Kenntnisse zu konzentrieren und intellektuell herausforderndere und befriedigendere Probleme zu lösen.

Was bedeutet all dies für Bildungsinstitutionen? Sie tun gut daran, nicht in Panik zu verfallen und künstliche Intelligenz und die Auseinandersetzung damit nicht primär als eine Bedrohung und einen Kampf gegen eine eindringende Maschine in der Art von ‘Terminator’ zu verstehen. Vielmehr sollte es um vier Aspekte gehen: Erstens müssen sowohl Lehrpersonen als auch Schülerinnen und Schüler zumindest ansatzweise wissen, wie textproduzierende Maschinen funktionieren. Zweitens sollten alle Beteiligten lernen, wie sie sich künstliche Intelligenz zunutze machen können, sei es im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung von Unterricht oder der Wissenserarbeitung und -verarbeitung. Drittens müssen Fragen der Bewertung geklärt werden. Maschinelles Ghostwriting in Texten aufzuspüren und nachzuweisen wird zunehmend schwieriger sein und ist der falsche Ansatz. Individualisierte Problemstellungen und Materialien sowie mündliche Bewertungen sind erfolgversprechender. Viertens müssen wir entscheiden, über welche Kenntnisse und Fähigkeiten, die von Maschinen geleistet werden könnten, unsere Schülerinnen und Schüler trotzdem weiterhin verfügen müssen.


Aleksandar Popov, Rektor