Wochenbrief 39: 21.9. – 25.9.26
Am Donnerstag fand der Elternabend der 5. Klassen statt. Für Erheiterung sorgte dabei die «Karte der Prokrastination» von Gemma Correll, die Marcel Hatt-Schatanek während seiner Ausführungen zur Reflexionsstunde zeigte.
Wir alle kennen die Insel der Prokrastination. Sie äussert sich bei allen etwas anders: Manche verlieren sich im Online-Shopping, andere auf Instagram, wieder andere müssen plötzlich dringend Wäsche waschen.
Prokrastination oder, auf Deutsch, Aufschieberitis, wird oft fälschlicherweise mit Faulheit verwechselt. Faulenzen bedeutet jedoch, etwas ohne schlechtes Gewissen zu tun. Wenn wir prokrastinieren, entscheiden wir uns gegen eine Tätigkeit, obwohl wir mit negativen Konsequenzen rechnen. Oft reden wir uns dabei ein, unter Druck besser arbeiten zu können. Diese Strategie nennt die Forschung «Self-Handicapping». Wer eine Aufgabe erst in letzter Minute anpackt und scheitert, kann die Schuld dem Zeitmangel geben. Wer von Anfang an sein Bestes gibt, muss sich hingegen dem Resultat stellen.
Meist hindert uns eine mentale Barriere am Anfangen. Es lohnt sich, den Gründen für diese Barriere nachzugehen. Stecken dahinter schlicht Überforderung, Angst vor dem Scheitern oder Perfektionismus?
Meinen ersten Wochenbrief habe ich Ewigkeiten vor mir hergeschoben. Eigentlich hatte ich bereits im letzten Semester entschieden, dass ich wöchentlich einen Text schreiben wollte. Also tat ich, was viele prokrastinierende Menschen tun: Ich war erstaunlich beschäftigt. Ich las alte Wochenbriefe meiner Vorgänger, telefonierte mit einem von ihnen und tauschte mich über die Aufgabe aus. Ich studierte Wochenbriefe anderer Schulen und entwarf einen Semesterplan für mögliche Themen. Nur das, was ich eigentlich hätte tun sollen, tat ich lange nicht: meinen ersten Brief schreiben. Zu gross war die Furcht, mit dem Resultat nicht zufrieden zu sein oder mich gar zu blamieren.
Wer die Ursache für seine Aufschieberitis kennt, findet oft auch einen Weg, die Blockade zu überwinden. Manchmal hilft es, eine Aufgabe in kleinere Schritte zu zerlegen. Manchmal hilft es, die eigenen Ansprüche etwas zu senken. Und manchmal hilft gegen Unsicherheit tatsächlich nur eines: anzufangen.
Um es mit der Karte der Prokrastination zu sagen: Irgendwann muss man die Insel verlassen.
Franziska Meister, Rektorin