Wochenbrief 36: 31.8. – 4.9.26
Der Rektor der KZU ist neidisch auf uns – genauer auf unser «Nur ein Kuss». So schrieb er in einem seiner Wochenbriefe im letzten Juni: «Der Leitspruch der Kanti Wetzikon ist witzig, scheint weit hergeholt, ist aber einzigartig, weil er wirklich nur für die KZO geht. […] Ich bin mit einigen Wetziker Lehrpersonen und Abgänger_innen persönlich verbandelt und gebe zu, dass ich immer etwas neidisch auf ‘den Kuss’ gewesen bin.»
Ich bin mir unsicher, ob man das Graffito «Nur ein Kuss» tatsächlich wie der KZU-Rektor als Leitspruch bezeichnen kann. Wäre ein solcher nicht ein Slogan, der das Zusammenleben, Lernen und Arbeiten an einer Schule prägen sollte? Das Stichwort «Küssen» scheint in diesem Zusammenhang zunächst wenig passend. Und doch wärmt das Graffito jedes Mal mein Herz, wenn ich mich der Schule von der Bühlstrasse her nähere. «Nur ein Kuss» stiftet eine gemeinsame Identität. «Kuss» heisst unsere Schüler*innenzeitung, das Lehrpersonenteam startet unter dem Slogan seit Jahren an der SOLA-Stafette (bei der wohlgemerkt die kleine Schwester KZU deutlich schneller ist), der «Kuss» ist ein Wahrzeichen unserer Schule, um den sich Legenden ranken.
Entstanden ist er mitten in einer Nacht im Jahr 1987, kurz vor der feierlichen Einweihung des frisch renovierten Schulhauses. Wer den Schriftzug hinterlassen hat, ist bis heute ungeklärt. Die damalige Schulleitung liess ihn stehen. (Mehr dazu in einem Text von Roman Spörri im bald erscheinenden Jahresbericht 2025/26.)
Prägend für unsere Schule scheint mir der Umgang mit dem Graffito. Dass es stehenbleiben durfte, sagt viel über die Schulkultur der KZO. Mich freut am «Kuss» bis heute, dass eine Schule stark genug sein kann, nicht alles kontrollieren und reglementieren zu müssen. Dass sie Raum lässt für Überraschungen, Geschichten und Eigenwilligkeiten.
Franziska Meister, Rektorin