Wochenbrief 34: 17.8. – 21.8.26

«[…] und dann gehe ich nach draußen, atme die warme, weiche Sommerluft ein. Sie kitzelt in meiner Nase, lädt dazu ein, mit dem Rad über die Felder zu fahren, mit wehenden Haaren. Es ist eine Luft, bei der man sich auf einmal fragt, warum man noch niemals in ein Schwimmbad eingebrochen ist, die einen umhüllt wie frisch gemähtes Gras, die sich anfühlt wie abends am Lagerfeuer sitzen und nachts in Unterwäsche baden gehen.» (Aus: Hanka, Inga. Little Hollywood. Hamburg 2025.)

Der Roman «Little Hollywood», den ich diesen Sommer gelesen habe, wird in manchen Rezensionen als der «perfekte Sommerroman» beschrieben. Wir Leser*innen folgen darin Leo, die einen letzten Sommer in ihrer Heimat verbringt, eine erste Liebe erlebt und sich fragt, ob sie es wagen soll, ihren beruflichen Traum in Angriff zu nehmen.

Dass der Roman im Jahr 1999 spielt, als ich etwa gleich alt war wie Leo, liess mich in die Zeit meiner Jugend eintauchen. Berührt hat mich aber vor allem das nostalgische Sommergefühl, das in den obigen Zeilen und im gesamten Roman spürbar ist.

Das Sommerferiengefühl hat etwas Paradoxes. Auf der einen Seite ist da – zumindest zu Beginn der grossen Ferien – der Eindruck, eine schier endlos scheinende Phase freier Zeit zur Verfügung zu haben. Genug Musse für Unternehmungen, Reisen, Lektüre oder schlicht fürs Faulenzen. Daneben spüren viele von uns auch den Drang nach Veränderung. Als Lehrperson ein neues Semesterprogramm zu gestalten, sich methodisch an Neues zu wagen, als Schüler*in sich in den Sommerferien neu zu erfinden.

Für manche von uns folgt nach den Sommerferien tatsächlich ein Neubeginn: der Start im U1 oder in einer dritten Klasse. Die KZO ist noch fremd, vielleicht sogar etwas furchteinflössend. Auch einige Lehrpersonen sind «Neulinge» an der KZO, und auf die meisten von uns warten eine oder gar mehrere unbekannte Klassen. Wieder andere beziehen ein frisch renoviertes Schulleitungsbüro oder haben wie ich ein neues Schild an der Tür.

Ich wünsche allen KZO-Angehörigen den Mut, wie Leo – Achtung, Spoiler – etwas zu wagen. Vielleicht ist das die schönste Seite des Sommerferiengefühls: dass die Zukunft für einen kurzen Moment mehr Möglichkeiten als Gewissheiten bereithält.

 

Franziska Meister, Rektorin