Monatsbrief Januar 2021


Wie weiter im Jahr 2021? Die kurzfristige Perspektive sieht leider so aus, dass wir noch eine Weile mit Unsicherheit und speziellen Umständen konfrontiert sein werden. Dies erfordert eine gewisse Bereitschaft ‘Ungemach auszuhalten’, wie es André Seidenberg, der ehemalige Drogenarzt auf dem Zürcher Platzspitz, in einem letztjährigen Interview treffend formulierte[1].

Die längerfristige Perspektive und ein Blick in die Geschichte lassen hingegen Gutes erahnen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie es in den 2020er-Jahren weitergehen könnte. Nach dem Ersten Weltkriegs und der Spanischen Grippe vor etwas über 100 Jahren kehrte man nicht zu den alten Gewissheiten zurück. Die erlebten Schrecken hatten viel mit der Enthemmung der Goldenen 1920er-Jahre zu tun und hinterliessen bei den Überlebenden den Appetit, die nächste Phase auf Hochtouren zu leben. Man stürzte sich in die Goldenen 1920er-Jahre voller zukunftsweisender und mutiger sozialer, technischer und künstlerischer Neuerungen. Dieser Geist wird hoffentlich auch die 2020er-Jahre beleben. Ich würde dies vor allem der jungen Generation gönnen.

Die letzten Monate haben auch offenbart, wie Gesellschaften mit Wissen umgehen sollten. In einer bemerkenswerten Demonstration dessen, was die Wissenschaft erreichen kann, wurde das Genom von SARS-CoV-2 innerhalb kurzer Zeit sequenziert, mit der Welt geteilt und in neue Impfstoffe umgemünzt. Als Schule können wir uns ein Beispiel nehmen, indem wir Wert auf methodisches und analytisches Vorgehen legen, Beweise für Behauptungen verlangen, Meinungen und Fakten auseinanderhalten und schrille Töne vermeiden.

Das schiere Ausmass des Leids durch Covid-19, die Ungerechtigkeiten und Gefahren, welche die Pandemie aufgedeckt hat, haben unser Leben in vielerlei Hinsicht aufgerüttelt und uns gleichzeitig die Stärke uns anzupassen, sowie die Bedeutung des Zusammenseins bewusstgemacht. Mögen diese Eigenschaften und Werte den Grundstein für 2021 legen.

 

Aleksandar Popov, Rektor

 


[1]www.nzz.ch/zuerich/coronavirus-in-zuerich-die-epidemie-ist-ausser-kontrolle-ld.1583779