Monatsbrief April 2026

Eine kleine Episode aus dem Fremdsprachenunterricht: Auf die Frage, weshalb im englischen Ausdruck So be it der Infinitiv steht, folgt ein Exkurs der Lehrperson: Der Subjunctive wird oft in Redewendungen benutzt, aber kaum als Subjunctive wahrgenommen, z.B. in Far be it from me, Heaven forbid oder Come what may. Dies sind keine Feststellungen, sondern eine Art Wünsche. Ohne dieses Wissen wirken diese Phrasen grammatikalisch rätselhaft. Mit diesem Wissen ergeben sie hingegen Sinn. Das Vereinigte Königreich und Amerika haben sogar ihre ganz eigenen nationalen Refrains im Subjunctive: God save the King und God bless America. Diese wirken wie Imperative, sind es aber nicht. Die Gläubigen erteilen dem Schöpfer des Universums schliesslich keine Befehle.

Der Subjunctive existiert, um zu signalisieren, dass etwas erwünscht oder gefordert ist, anstatt schlichtweg real zu sein. Obwohl die Umgangssprache ihn oft umgeht, überlebt der Subjunctive nicht nur in Redewendungen, sondern auch in formellen Texten, in der Rechtssprache und dort, wo Differenziertheit gefragt ist. Im Satz "The boss insists that the report be submitted by Friday." würde man wahrscheinlich “is” erwarten. Es wird aber nicht eine faktische Beobachtung impliziert, sondern eine Anforderung.

Wie sinnvoll ist es, derartige sprachliche Feinheiten und flüchtigere Aspekte der Grammatik zu lehren? Der Subjunctive trennt Fakten von Wünschen oder Forderungen und verleiht in formellen Diskursen Präzision und Subtilität. In akademischen und anderen Texten, in denen Exaktheit erwartet wird, kann er von grosser Bedeutung sein. Er erfüllt auch eine stilistische Rolle. Wer ihn erkennt und korrekt verwendet, signalisiert nuancierten Ausdruck sowie Sprachbeherrschung und Souveränität in Bezug auf Tonfall. Dies sind Aspekte, die auf gymnasialer Stufe gelehrt werden dürfen, auch wenn sie in den meisten Lehrmitteln nicht vorkommen. Solche und ähnliche kleine Exkurse sollen also durchaus Platz haben in unseren Lektionen. Es bleibt zu hoffen, dass Lehrpläne auch künftig Freiräume bieten, um dies zu ermöglichen.

 

Aleksandar Popov, Rektor