Monatsbrief Mai 2022

Im November 2021 fand die HSGYM-Herbsttagung an der KZO statt. Sie stand unter dem Motto ‘Alles anders?’. Es wurde im Plenum und in Barcamps diskutiert; im Zentrum standen Themen wie Digitalisierung und neue Unterrichtsformate, Fächer- und Wissenskanon, Interdisziplinarität, Citoyenneté, Chancengerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Schule/Universität der Zukunft und aktuelle Reformprojekte. Im Nachgang zur Tagung ist eine Online-Publikation mit sehr lesenswerten Beiträgen entstanden (www.hsgymallesanders.ch). Hier einige meiner Gedanken zum Thema:

Alles anders? Durchaus. Die Welt verändert sich im Einklang mit gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen. Dies wiederum hat Auswirkungen auf den Bildungsbereich. Damit die Bildungsstätten sich richtig auf ihr Publikum einlassen können, müssen wir uns arrangieren mit den jüngsten Veränderungen und den massgeblichen Faktoren, die sich auf das Lernen auswirken.

Alles anders und zukunftstauglich? Hoffentlich. Kritisches Denken, Problemlösung und Kreativität werden in Zukunft zu den wichtigsten Fähigkeiten in der Ausbildung, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft schlechthin zählen. Angesichts einer Welt, in der Ereignisse wie Pandemien, Klimawandel, politische und soziale Polarisierung häufiger zu erwarten sind, wird es Menschen brauchen, die kreative Lösungen finden und wissen, wie man schwierige Entscheidungen trifft. In den Bestrebungen, die künftigen Generationen auf ihre Aufgaben vorzubereiten, müssen wir ihnen helfen, diese Fähigkeiten zu entwickeln und auszubauen.

Hierfür wird es notwendig sein, in der Bildung umzudenken, neu zu verdrahten, neu zu konzipieren. Eine Modernisierung und Feinabstimmung des derzeitigen Systems werden wahrscheinlich nicht reichen, um den künftigen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Entwicklung muss darüber hinausgehen. Ansonsten bleiben wir bei mehrheitlich standardisierten Inhalten und Räumlichkeiten und einer zunehmend präsenten digitalen Technologie stehen, die allerdings in erster Linie als Bereitstellungsmethode bestehender Inhalte und Pädagogik verwendet wird. Vielmehr werden im Bildungswesen neue Ansätze erforderlich sein. Das Nachdenken darüber erfordert Fantasie sowie Sorgfalt und Stringenz. Es bedeutet auch, dass unter anderem folgende Spannungen und Dilemmata gelöst werden müssen: Wie bringen wir neue Ziele und neues Potenzial mit alten Strukturen und bestehenden Kapazitäten in Einklang, ohne Betriebsstörungen auszulösen? Wie fördern wir Innovationen und erkennen gleichzeitig den konservativen Charakter des Bildungswesens an? Wie können wir Räume, Zeit und Technologien neu konfigurieren und organisieren, um lernförderliche Umgebungen zu schaffen? Wer ist für die schwächeren Mitglieder unserer Gesellschaft verantwortlich?

 

Aleksandar Popov, Rektor