Monatsbrief April 2021

Das Schweizer Maturitätsanerkennungsreglements (MAR), die Maturitätsanerkennungsverordnung (MAV) (beide 1995) sowie die Rahmenlehrpläne für die Maturitätsschulen (1994) sind mittlerweile etwas in die Jahre gekommen. Nach diversen kleineren und grösseren Reformschritten in den letzten 20 Jahren wird die gymnasiale Maturität deshalb momentan einer Überarbeitung unterzogen mit dem Ziel der langfristigen Sicherstellung des prüfungsfreien Zugangs zu den universitären Hochschulen. Im September 2018 wurde das Projekt ‚Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität‘ (WEGM) vom Bund (WBF: Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung) und der EDK (Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren) lanciert. Nun wird die Sache konkret und Mitte April beginnt eine mehrere Monate dauernde Phase der breiten Konsultation.

Aus bildungspolitscher Sicht ist die Einbettung der Reformen in die gesamte Bildungslandschaft Schweiz wichtig. Im Idealfall steht am Schluss von WEGM eine klare Profilierung des Gymnasiums. Dabei gilt es insbesondere, die Berufsmaturität im Auge zu behalten und den Status dieses Ausbildungswegs nicht durch Anpassungen der Gymnasialquote zu gefährden.

Aus pädagogischer Sicht stellt sich vor dem Hintergrund der digitalen Transformation und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen die Frage, wie unsere Schülerinnen und Schüler konkret auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet werden können. Gemäss den bereits vorliegenden Dokumenten sind ‚transversale Kompetenzen‘ dabei das Schlagwort der Stunde. „Dazu gehören Fähigkeiten wie Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Selbstwirksamkeit und Frustrationstoleranz (Affektkontrolle) ebenso wie Zeit- und Ressourcenmanagement, zielorientierte Planung, Kooperations- und Teamfähigkeit, die Fähigkeit zum Umgang mit Fehlern, die Nutzung von Lern- und Problemlösestrategien, Metakognition und Metainteraktion.“[1] Dies ist eine sehr stolze Liste. Es ist evident, dass solche Fähigkeiten für das Bewältigen der Anforderung auf Gymnasial- und Hochschulstufe wesentlich sind. Es liegt ebenfalls auf der Hand, dass diese Kompetenzen weder einem bestimmten Fach zugeordnet noch auf abstrakter Ebene und ohne Anbindung an Fachinhalt erworben werden können. Die Herausforderung wird darin bestehen, sie geschickt zu integrieren, beispielsweise in Form von ähnlichen Methoden, die zu verschiedenen Zeitpunkten in verschiedenen Fächern geübt werden.

Die wesentlichen Informationen zu den Arbeiten und zu den aktuellen Entwicklungen im Rahmen des Projekts WEGM finden sich seit Beginn dieses Monats auf https://matu2023.ch.

 

Aleksandar Popov, Rektor

 


[1] Reusser, K. (2014). Kompetenzorientierung als Leitbegriff der Didaktik. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung 32(3), S. 330 f.