Wochenbrief 45: 2.11. – 6.11.26
Letzte Woche habe ich in einem Unterrichtsbesuch ein neues Wort gelernt: Knolling. Dabei werden Gegenstände sorgfältig geordnet, ausgerichtet und fotografiert. Kabel verlaufen parallel, Stifte liegen im rechten Winkel, alles hat seinen Platz. Es hat etwas ungemein Befriedigendes, solche Bilder anzuschauen.
Knolling entstand Ende der 1980er-Jahre in der Möbelwerkstatt von Frank Gehry in Santa Monica. Der Hauswart Andrew Kromelow begann, Werkzeuge und Materialien nach Gebrauch sorgfältig auszurichten. Für diese Praxis prägte er den Begriff Knolling, inspiriert von den klaren Linien der Möbelfirma Knoll.
Fast zeitgleich erzählte mir eine Freundin, die vor Kurzem an eine andere Schule gewechselt hat, sie nehme die KZO rückblickend als erstaunlich gut organisiert wahr.
Die Bemerkung hat mich gefreut. Nicht, weil an der KZO alles perfekt laufen würde. Sondern weil sie mich daran erinnert hat, dass vieles, was von aussen selbstverständlich wirkt, das Ergebnis zahlreicher Überlegungen, Absprachen und Entscheidungen ist. Letzte Woche waren dies zum Beispiel die Elternbesuchstage, die Informationsveranstaltung zum Schüler*innenaustausch, die Vorbereitungen für die Akzentfachanmeldungen oder der Maturand*innensporttag.
Als Rektorin nehme ich die Schule selten als besonders geordnet wahr. Wer mitten im Schulbetrieb steht, sieht vor allem das, was noch vorbereitet, entschieden oder verbessert werden muss.
Vielleicht ging es Andrew Kromelow ähnlich. Wer ein Knolling-Foto betrachtet, sieht Ordnung. Wer in der Werkstatt arbeitet, sieht vermutlich zuerst die Werkzeuge, die noch herumliegen.
Die Bemerkung meiner Freundin hat mich daran erinnert, gelegentlich einen Schritt zurückzutreten. Aus der Nähe wirkt eine Schule oft wie eine chaotische Werkstatt. Mit etwas Abstand erkennt man, dass vieles bereits seinen Platz gefunden hat.
Franziska Meister, Rektorin