Monatsbrief Juni 2026

Die Maturitätsprüfungen bilden den Abschluss der gymnasialen Ausbildung und sind vermutlich die einzige Zeit im Leben, in der man gleichzeitig die Mitternachtsformel, die Ursachen des Dreissigjährigen Krieges und eine Vielzahl literaturtheoretischer Begriffe im Kopf hat. Obwohl die Maturitätsprüfungen alles andere als ein unüberwindbares Hindernis darstellen, sind sie kein bürokratischer Abschlussritus, sondern ein sinnvoller letzter Schritt auf dem Weg vom behüteten Klassenzimmer in die Hochschulwelt.

Der eidgenössische Maturitätsausweis öffnet die Türen zu praktisch allen kantonalen Universitäten und Eidgenössischen Technischen Hochschulen, meist ohne zusätzliche Hürden und unabhängig von den erzielten Noten. Ein derartiges Privileg verlangt nach einer entsprechenden Legitimation, und diese erfolgt durch die Maturitätsprüfungen, die auf nachvollziehbaren Leistungen basieren.

Prüfungen sind unbequem und genau deshalb wertvoll. Wer sich auf die Maturitätsprüfungen vorbereitet, lernt nicht nur Inhalte, sondern auch, wie man unter Druck arbeitet, Prioritäten setzt und Wissen strukturiert abruft. Selbstorganisation, Verarbeitung grosser Stoffmengen, wichtige Leistungsnachweise gehören im Hochschulstudium zum Alltag. Die Maturitätsprüfungen sind somit auch eine Generalprobe für das, was folgt. Besonders wertvoll sind die mündlichen Prüfungskomponenten, in denen auch Geistesgegenwart, sprachliche Ausdrucksfähigkeit und Fähigkeit zur Diskussion unter Beobachtung gefragt sind. Wer Prüfungsexpertinnen und -experten hier Rede und Antwort stehen kann, ist gut gerüstet für Seminare, Präsentationen und Vorstellungsgespräche.

Die Kombination aus Erfahrungsnoten und Prüfungsleistung bedeutet, dass jahrelange Arbeit im Unterricht nicht durch einen einzigen schlechten Tag zunichtegemacht werden kann. Die Prüfungen verleihen dem Abschluss aber zusätzlich Gewicht und stellen sicher, dass das Wissen nachhaltig verankert wird. Darüber hinaus bieten sie eine Bühne für den persönlichen Stolz: Sie bieten den jungen Erwachsenen die Chance zu zeigen, was sie in den vergangenen Jahren gelernt haben. Dieses Sichtbarmachen der eigenen Leistungsfähigkeit tut hoffentlich gut und markiert den verdienten Lohn für die vorausgegangenen Anstrengungen.

Ich wünsche allen Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen viel Erfolg!

 

Aleksandar Popov, Rektor