Monatsbrief März 2021

Auch in diesem Jahr findet im Monat März die Zentrale Aufnahmeprüfung der Zürcher Kantonsschulen statt, dieses Mal unter speziellen Schutzmassnahmen. Auch in diesem Jahr wird im Vorfeld viel über Chancengerechtigkeit, -gleichheit und die Vor- und Nachteile eines selektiven Schulsystems diskutiert und geschrieben. Das Spektrum der Meinungen reicht von der Forderung nach einer Matura für alle und der Abschaffung der Aufnahmeprüfung bis hin zur Verschärfung der Selektion. Für das momentane System sprechen unter anderem drei Punkte. Erstens: Keine Prüfung ist perfekt. Das gilt auch für die Zentrale Aufnahmeprüfung. Sie ist aber so gut, dass die prognostische Zuverlässigkeit der Prüfungsnote für ein erfolgreiches Bestehen der Probezeit sehr hoch ist. Die Aufnahmeprüfung selektiert also die ‘Richtigen’. Zweitens: Selektion passiert ohnehin. Ohne Aufnahmeprüfung verlagert sie sich in die Gymnasialzeit oder es kommt auf der tertiären Stufe zur grossen Selektion. Es spricht nichts dagegen, schulisch talentierte Jugendliche früh zu fördern und zu fordern. Drittens: Es ist fast nie zu spät. Die Alternativen zu einer gymnasialen Ausbildung sind hochstehend, und die Durchlässigkeit des Schweizer Bildungssystems sorgt dafür, dass viele Ausbildungswege sehr lange offenstehen.

Wie so häufig, wenn es um Bildung geht, wird die Debatte teils emotional und mit einem persönlichen Touch versehen geführt. Anekdotische Geschichten eignen sind jedoch schlecht für das Ausrichten von Schulpolitik. Letztendlich steckt hinter dem Konzept, Jugendliche im Alter von 12-15 Jahren auf der Grundlage eines Tests einzuteilen, die –etwas unangenehme – Auffassung, dass Intelligenz und gewisse Fähigkeiten dann soweit festgelegt sind, um nicht durch Familieneinkommen, elterliche Unterstützung oder schiere persönliche Anstrengung entscheidend beeinflusst zu werden. Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich nicht schlüssig klären, auch nicht mit Statistiken. Diese können allerdings Fragen aufwerfen.

Eine davon ist die soziale Herkunft. Während Gymnasien nach Fähigkeiten selektieren, haben in einem nicht-selektiven System diejenigen Vorteile, die es sich leisten können. Ein staatliches selektives Schulsystem schwächt also die Verbindung zwischen Einkommen und Bildungserfolg. Das ist gut so. Die Zentrale Aufnahmeprüfung klärt aber lediglich das Leistungsniveau der angemeldeten Prüflinge. Es ist leider anzunehmen, dass etliche talentierte Jugendliche aus sozial benachteiligten Schichten nicht daran teilnehmen. Dies hat Konsequenzen für die Gesellschaft. Hier gälte es deshalb, früh anzusetzen.

 

Aleksandar Popov, Rektor

Monatsbrief Februar 2021

Viele Aktivitäten wurden in letzter Zeit in die Online-Sphäre verlagert. Auch der Unterricht und zahlreiche schulische Veranstaltungen der KZO finden teilweise wieder vermehrt online statt. Dies bringt zwar Erschwernisse mit sich; diese lassen sich aber oft überwinden, wenn es inhaltlich spannend bleibt.

Die Schwächen des Unterrichts aus der Ferne sind allseitig bekannt. Zum einen ist die persönliche Interaktion eingeschränkt. Ob es der Augenkontakt, spontane Äusserungen oder das Abnicken der Ausführungen von Lehrpersonen, Mitschülerinnen und Mitschülern sind, online ist es schwieriger, Hinweise zu erkennen und auf konkrete Weise zu zeigen, dass wir zuhören. Zum anderen besteht beim Lernen aus der Distanz ein grösseres Ablenkungspotenzial. Die Geräte, mit welchen das Lernen erleichtert wird, bergen gewisse Tücken. Im Informationszeitalter driftet der Fokus nur allzu leicht auf eine Schlagzeile in den Nachrichten, ein TikTok-Video oder die neueste Empörung auf Instagram ab.

Um diesen Schwierigkeiten entgegenzuwirken, ist aktives Zuhören entscheidend. Ein Schlüssel hierfür liegt in den Inhalten. Stoffe, die relevant sind und uns interessieren, irritieren oder beglücken, erhalten unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich habe in den letzten Tagen einige gelungene Beispiele mit Aktualitätsbezug im KZO-Alltag erlebt. Zwei davon sollen hier Erwähnung finden: Im Februar 2021 jährt sich Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen in der Schweiz zum 50. Mal. Diese Tatsache hat an unserer Schule zu diversen Aktivitäten geführt, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Auch ein Gedicht hat seinen Weg umgehend in Unterrichtszimmer der KZO gefunden. Es handelt sich um ‚The Hill We Climb‘, das die junge Poetin Amanda Gorman anlässlich der Amtseinführungszeremonie des neuen US-Präsidenten Joe Biden zum Besten gab.

Online oder analog, unsere Lebenswelt bietet zum Glück nach wie vor viele Gelegenheiten für eine anspruchsvolle und vertiefte Auseinandersetzung.

 

Aleksandar Popov, Rektor

Monatsbrief Januar 2021

Wie weiter im Jahr 2021? Die kurzfristige Perspektive sieht leider so aus, dass wir noch eine Weile mit Unsicherheit und speziellen Umständen konfrontiert sein werden. Dies erfordert eine gewisse Bereitschaft ‘Ungemach auszuhalten’, wie es André Seidenberg, der ehemalige Drogenarzt auf dem Zürcher Platzspitz, in einem letztjährigen Interview treffend formulierte[1].

Die längerfristige Perspektive und ein Blick in die Geschichte lassen hingegen Gutes erahnen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie es in den 2020er-Jahren weitergehen könnte. Nach dem Ersten Weltkriegs und der Spanischen Grippe vor etwas über 100 Jahren kehrte man nicht zu den alten Gewissheiten zurück. Die erlebten Schrecken hatten viel mit der Enthemmung der Goldenen 1920er-Jahre zu tun und hinterliessen bei den Überlebenden den Appetit, die nächste Phase auf Hochtouren zu leben. Man stürzte sich in die Goldenen 1920er-Jahre voller zukunftsweisender und mutiger sozialer, technischer und künstlerischer Neuerungen. Dieser Geist wird hoffentlich auch die 2020er-Jahre beleben. Ich würde dies vor allem der jungen Generation gönnen.

Die letzten Monate haben auch offenbart, wie Gesellschaften mit Wissen umgehen sollten. In einer bemerkenswerten Demonstration dessen, was die Wissenschaft erreichen kann, wurde das Genom von SARS-CoV-2 innerhalb kurzer Zeit sequenziert, mit der Welt geteilt und in neue Impfstoffe umgemünzt. Als Schule können wir uns ein Beispiel nehmen, indem wir Wert auf methodisches und analytisches Vorgehen legen, Beweise für Behauptungen verlangen, Meinungen und Fakten auseinanderhalten und schrille Töne vermeiden.

Das schiere Ausmass des Leids durch Covid-19, die Ungerechtigkeiten und Gefahren, welche die Pandemie aufgedeckt hat, haben unser Leben in vielerlei Hinsicht aufgerüttelt und uns gleichzeitig die Stärke uns anzupassen, sowie die Bedeutung des Zusammenseins bewusstgemacht. Mögen diese Eigenschaften und Werte den Grundstein für 2021 legen.

 

Aleksandar Popov, Rektor

 


[1] www.nzz.ch/zuerich/coronavirus-in-zuerich-die-epidemie-ist-ausser-kontrolle-ld.1583779

Monatsbrief Dezember 2020

Die KZO lebt: Um den sonderbaren Advent 2020 zu bereichern und verschönern, haben sich zahlreiche Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler mächtig ins Zeug gelegt. Wir sind sehr dankbar und geniessen folgende Oeuvres:

Die Chorgruppe ‘Kantissimo’ darf momentan nicht in üblicher Manier singen und proben. Sie hat deshalb unter der Leitung von Stefan Schättin das Projekt ‘Klingender Adventskranz’ ins Leben gerufen. Die Gruppe hat vier Stücke aufgenommen; an jedem Adventssonntag wird eines davon auf unserer Webseite veröffentlicht.

Das UNESCO-Freifach ‘Politik über Mittag’ hat unter der Leitung von Karin Nenning und Sabina Zimmermann einen Adventskalender für Kinder und einen für Jugendliche und Erwachsene produziert. Beide sind liebevoll illustriert und beinhalten für jeden Dezembertag bis Weihnachten eine kurze Geschichte, die von einer Schülerin oder einem Schüler der KZO verfasst wurde. Der Erlös aus dem Verkauf geht an die Organisationen ‘Syrian Refugee Crisis’ und ‘Ärzte ohne Grenzen’. Mehr Informationen zu dem Projekt finden sich hier. Unser grosser Dank geht auch an die Elternvereinigung der KZO, die dieses Projekt grosszügig unterstützt hat.

Unter der Regie von Matthias Roth ist ein Online-Adventskalender entstanden, der uns in der Vorweihnachtszeit mit musikalischer Wärme beglückt. Diverse Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler haben in der Aula 18 Musikvideos eingespielt und aufgenommen. Liam Braun (C6c) und Pascal Eisenegger (M6b) haben eine Webseite erstellt, auf welcher man bis zum Schulschluss am 18. Dezember jeden Tag ein neues Musikvideo erklingen lassen kann.

Das traditionelle ‚Christmas Carol Singing‘ am letzten Schultag vor Weihnachten fällt dieses Jahr der Pandemie zum Opfer. Der Fachkreis Anglistik hat unter Leitung von Matthias Regli und Daniel Cojocaru jedoch eine corona-taugliche Alternative kreiert. Sie ist mit filmischen Beiträgen der Klassen A6 und W6a versüsst und wird uns in der letzten Schulstunde im Jahr 2020 beglücken.

Allen Beteiligten, auch den nicht namentlich erwähnten, gebührt unser herzlichster Dank. Ich freue mich über die schönen Werke, die aus der Kooperation von Schülerschaft und Lehrpersonen entstanden sind, und wünsche uns allen eine schöne Adventszeit.

Aleksandar Popov, Rektor

PS: Eine Erfolgsmeldung: Janina Johners Maturitätsarbeit ‘Antisemitische Schweiz? Untersuchungen im Nachlass von Sigi Feigel’ wurde durch die Jury der Stiftung für Demokratie im Rahmen eines schweizweiten Wettbewerbs mit dem dritten Preis ausgezeichnet und für ihr aussergewöhnliches staatsbürgerliches Urteilsvermögen gewürdigt. Herzliche Gratulation an Janina Johner (C6a, Abschluss Juli 2020) und ihren Betreuer Thomas Müller!

PPS: Noch eine Erfolgsmeldung: Wetzikon hat in der Volksabstimmung vom 29. November mit einem deutlichen Mehr von 86 Prozent (4982 Ja-Stimmen zu 820 Nein-Stimmen) den Gegenvorschlag zur «Fernwärme-Initiative» angenommen.

Diese hat ihren Ursprung in der Maturitätsarbeit von Benjamin Walder (heutiger Kantonsrat für die Grüne Partei) und verpflichtet den Stadtrat in den nächsten drei Jahren Varianten für eine CO2-arme Wärme-Versorgung (inklusive Fernwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage Hinwil, Kezo) vorzulegen.

Herzliche Gratulation an Benjamin Walder (C6b, Abschluss Juli 2018) und seinen Betreuer Zoltán Kaszás!

Monatsbrief November 2020

Es gibt auch Erfreuliches zu berichten – in Form einer Ankündigung. Die KZO wird noch im laufenden Jahr eine neuen Webauftritt aufschalten. Pläne für die Überarbeitung des Webauftritts bestehen seit geraumer Zeit. Das Projekt hat nun in den letzten beiden Jahren an Dynamik gewonnen, und wir freuen uns, dass wir kurz vor der Vollendung stehen und das neue Gesicht nach aussen bald präsentieren können.

Während des Gestaltungsprozesses passierten wir etliche Meilensteine: Wir liessen die aktuelle Webseite durch einen externen Berater analysieren und erarbeiteten in verschiedenen Gruppen ein Set von Werten und Botschaften, die der neue Webauftritt transportieren soll. Es fanden Castings mit Webdesignfirmen sowie Fotografen und Fotografinnen statt. Wir erstellten eine neue Struktur und überarbeiteten und verfassten zahlreiche Inhalte. Das Design wurde in Zusammenarbeit mit einer Webdesignfirma entworfen und erhielt schliesslich im Frühjahr 2020 das amtliche Gütesiegel. Die letzten Monate standen nun im Zeichen der technischen Umsetzung.

Wir haben innerhalb der Vorgaben des kantonalen Corporate Designs eine Gestaltung erarbeitet, die unserer Schule entspricht und ein identitätsstiftendes Element des Schulalltags integriert – mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Der neue Webauftritt wird mittels Bildsprache und Texten zeigen, dass die KZO einen guten Boden hat und eine grosse und gleichzeitig persönliche, regional verwurzelte Schule ist, die zentral und doch im Grünen liegt, und an welcher Freude am Denken und Lernen sowie Partizipation gross geschrieben werden.

 

Aleksandar Popov, Rektor

Monatsbrief Oktober 2020

Lassen Sie uns den ungewöhnlichen Zeiten etwas Positives abgewinnen.

Während des Lockdowns veränderten sich viele Gewohnheiten, unter anderem die Lesegewohnheiten. Es wurde generell mehr gelesen und teilweise auch der Zugang zu weniger vertrauten Genres gefunden. Der Faber-Verlag berichtete von einem sprunghaften Anstieg des Interesses an Poesie-Klassikern, wobei beispielsweise die Verkäufe von Sylvia Plaths Sammlung ‚Ariel‘ (1965) im Vergleich zur Zeit vor dem Lockdown um 59% anstiegen[1].

Es entstand auch Neues. Die Rolle der Kreativität bei der Unterstützung von Menschen im Umgang mit Druck und Unsicherheit in Krisenzeiten ist nicht zu unterschätzen. Es ist deshalb erfreulich, dass Dichter einen schöpferischen Umgang mit der Krise an den Tag legten. Die Poesie hat schon immer eine Rolle gespielt, wenn Menschen sich in ausserordentlichen Zeiten den Worten von Dichtern zuwenden, um eine geschärfte Sichtweise und einen anderen Blickwinkel zu finden. Da Poesie eine flinke und fliessende Kunstform ist, entstehen in solchen Zeiten oft Werke von grosser Energie und – den Umständen zum Trotz – Schönheit. So geschah dies zum Beispiel während des 1. Weltkriegs und nun auch im pandemiegeprägten letzten Halbjahr. Die Organisation National Poetry Library aus London tat sich mit Künstlern und Verlegern zusammen, um als Antwort auf Covid-19 eine neue Gedichtserie zu präsentieren, die von einigen der interessantesten zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern Amerikas verfasst wurde. Die Reihe umfasst zwölf Gedichte, die das Tumulthafte ins Blickfeld rücken und Themen behandeln, die von einer Überarbeitung der Schöpfungsgeschichte bis hin zum Elternsein während der Pandemie reichen.

Wenn Sie also in einem ruhigen Moment etwas für das Gemüt oder ein Zeichen der menschlichen Widerstandskraft suchen, finden Sie es auf https://www.nationalpoetrylibrary.org.uk/news-stories/beginning-covid-19.

 

Aleksandar Popov, Rektor

 

PS: Auch KZO-Lehrpersonen wirken kreativ. Unser Webredaktor und Englischlehrer Daniel Cojocaru hat eine Kurzgeschichte aus dem Genre der Science-Fiction verfasst. Sie ist im Teleport Magazine zu lesen (https://www.teleportmagazine.com/2020/09/12/mmmemories/). Wir gratulieren herzlich!

 


[1] http://www.bbc.com/culture/story/20200506-the-books-that-might-flourish-in-this-time-of-crisis?referer=https%3A%2F%2Fwww.bbc.com%2F