Wochenbrief 47: 20. – 24.11.17

Sie mögen es vielleicht kaum mehr hören. „Digitalisierung“ heisst es auf allen Kanälen. Wie so häufig, wenn gesellschaftliche Trends entstehen, richtet man immer auch gleich den Blick auf die Schule und stellt Forderungen auf.

Elsbeth Stern, ETH-Professorin für Lehr- und Lernforschung, sagt dazu sec: «Eine schlechte Lehrerin (sic!) wird durch die Digitalisierung nicht besser. Der Computer ist ein Werkzeug, das man nutzen sollte.» (in: Rundgang. Das Klett und Balmer Magazin, 4/17, S. 5)

Die Leserinnen und Leser des Wochenbriefs wissen, dass wir an der KZO einen solchen pragmatischen Weg gehen wollen – auch wenn das Konzept „Bring your own device“ (BYOD) die stetige Verfügbarkeit des eigenen Computers vorsieht. Siehe dazu auf unserer Website: «Der Einsatz von IT im Unterricht erweitert die didaktischen Möglichkeiten, er steht im Dienst der Fachinhalte und kann zum Beispiel für individualisierten Unterrichtet verwendet werden. IT soll jedoch nicht um der IT willen eingesetzt werden.»

Wir wollen also nüchtern die neuen Technologien nutzen und dabei nicht alles auf die Digitalisierungskarte setzen. So haben wir zum Beispiel immer wieder die Wichtigkeit der Handschrift betont.

Diese nüchterne Haltung fand ich auch in einem politischen Kommentar aus Deutschland. Jürgen Kaube (FAZ plus, abgerufen am 17.11.17, 14.30 Uhr) wehrt sich unter dem Titel «Unsinn verhindern. Digitalisierung allein wird die Schulpolitik nicht retten» gegen den Vorschlag eines Politikers, man müsse stärker auf digitale Klassenzimmer setzen.

«In einer Zeit, in der an Schülern erhebliche Defizite im Bereich der analogen Lernmethoden festgestellt werden, könnte allerdings ausgerechnet die Digitalisierungs-Fanfare genau das falsche Signal sein», schreibt Kaube. «Wer sich von neuester Technik erhofft, was allein eine (...) Rückbesinnung auf tradierte Verfahren des Erkenntnisgewinns (beispielsweise Lesen, Schreiben, Rechnen, Denken, Experimentieren, Zeichnen) leisten könnte, nährt geradezu die Skepsis gegen den Vorschlag, der neuesten Lehrmitteltechnologie müssten nun bundesweit alle Schulen folgen. Es kommt übrigens auch dem Programmieren zugute, wenn zuvor insistent bruchgerechnet wurde.»

Wir wollen an der KZO auch weiterhin in erster Linie dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler in der Auseinandersetzung mit Fragen ins Grübeln, ins Denken, ins Pröbeln, ins Skizzieren, ins Ausprobieren kommen und dabei grundlegende Techniken solide erlernen.

Die Computer sollen ihnen als Werkzeuge selbstverständlich zugänglich sein, und wir versuchen, den Jugendlichen zu vermitteln, wie die neuen Medien sinnvoll verwendet werden.

Martin Zimmermann, Rektor