Wochenbrief 26: 26. – 30. Juni 2017

Ganz besonders im Monat Juni stelle ich in Lehrerzimmer- oder in Mensagesprächen immer wieder fest, wie viel die Lehrerinnen und Lehrer investieren, um gute Maturitätsprüfungen durchführen zu können. Es ist ihnen wichtig, dass der Abschluss in ihrem Fach gut gelingt, und sie arbeiten mit viel Herzblut dafür.

Häufig – vor allem nach den schriftlichen Prüfungen – höre ich aber auch eine leise (oder auch dezidiertere) Enttäuschung im Kollegium. Waren die Schülerinnen und Schüler in den Probe-Maturen nicht deutlich besser gewesen? Hat die eine oder der andere nur die Noten durchgerechnet und nichts mehr in die Prüfungs-Vorbereitung investiert? Oder haben sich die Maturanden mit all den „Letzte-Schulwochen-letzter-Schultag-Aktivitäten“ selber derart ausgepowert, dass sie an der Prüfung die nötige Konzentration nicht mehr aufbringen können?

Nach der abschliessenden Sitzung der Prüfungskommission tönt es jeweils wieder versöhnlicher. Man hat die schwachen Leistungen eingeordnet und man freut sich, dass viele Maturandinnen und Maturanden gut waren und dass einzelne gar brillieren konnten.

Dennoch wird uns das Thema in nächster Zeit beschäftigen. Was können eigentlich die Abgängerinnen und Abgänger unserer Schule? Genügen sie den Ansprüchen der abnehmenden (Fach-)Hochschulen? Verfügen sie über die „basalen fachlichen Studierkompetenzen“, wie sie neu im eidgenössischen Rahmenlehrplan festgeschrieben sind?

Meine erste Antwort ist positiv. Ja, die Ehemaligen stellen uns ein gutes Zeugnis aus, sie fühlen sich von der KZO gut vorbereitet auf ihr Studium (siehe sogenannte „Ehemaligenbefragungen“). Die KZO-Matur hat einen guten Ruf.

Die zweite Antwort ist vorsichtiger, weil es mit den „basalen fachlichen Studierkompetenzen“ eine neue Vorgabe gibt, mit der wir aber noch keine Erfahrungen haben machen können. Wir wissen noch nicht, was zum Beispiel der folgende Anspruch im Fach Mathematik für den Unterricht heisst: „einen mathematischen Begriff aus den basalen Themen auffächern und kontextuell verstehen können.“ Oder was heisst es für das Fach Deutsch, wenn verlangt wird, Maturandinnen und Maturanden müssten „den Stellenwert eines Textes innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses abschätzen können“? Mit solchen Fragen werden wir uns im Rahmen der kantonalen Vorgaben, die im Moment ausgearbeitet werden, beschäftigen müssen.

Für diese Woche wünsche ich aber vorerst allen Lehrpersonen erfreuliche Prüfungen. Den Maturandinnen und Maturanden wünsche ich, dass sie ihr Wissen kompetent präsentieren können und dass sie dabei auch Freude über ihre Fähigkeiten und ihre Einsichten erfahren.

Martin Zimmermann, Rektor