Wochenbrief 25: 18. – 22. 6. 18

"Nichts Neues unter der Sonne!" Diesen leicht resignierten Seufzer kennen wir aus einem ganz alten Text. Aber nicht immer empfinde ich es als negativ, wenn ich feststelle, dass Haltungen oder Erkenntnisse, die für mich in einem persönlichen Entwicklungsprozess zu Überzeugungen geworden sind, eine lange Tradition haben.

John Hatties grosse Studie erwähnte ich im Wochenbrief schon häufig, weil ich seine Ratschläge für uns Lehrerinnen und Lehrer sehr wichtig finde.

Die Fähigkeit der Lehrpersonen, den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler zu begleiten sei einer der wirksamsten Faktoren für guten Lernerfolg, sagt Hattie. Es gehe darum, die Lernenden an der Stelle abzuholen, an der sie stehen.

In einem zweihundertfünfzigjährigen Text von Johann Georg Hamann fand ich nun Gedanken, die Hatties Befunden verwandt sind:

"Das grösste Gesetz der Methode für Kinder [gemeint ist die Didaktik, M.Z.] besteht also darinn, sich zu ihrer Schwäche herunterzulassen; ihr Diener zu werden, wenn man ihr Meister seyn will; ihnen zu folgen, wenn man sie regieren will; ihre Sprache und Seele zu erlernen, wenn wir sie bewegen wollen die unsrige nachzuahmen."

An einer anderen Stelle formuliert es Hamann noch pointierter:

"Je weniger meine Kinder lernen wollen; desto hitziger würde ich seyn von ihnen zu lernen." (Johann Georg Hamann, Fünf Hirtenbriefe das Schuldrama betreffend, in: Sämtliche Werke, Zweiter Band, herausgegeben von Josef Nadler, Wien 1950)

In den Qualitätsleitsätzen der KZO steht ein Satz, der Hattie und Hamann vereint. Er ist allerdings so formuliert, dass die Perspektive der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund steht:

„Die Schülerinnen und Schüler nehmen wahr, dass sich die Lehrpersonen für die Wirkung ihres Unterrichts interessieren.“

Wenn dieser Satz wahr wird, haben wir eine gute Schule, und zwar ganz in der Tradition von Hamann, Hattie und anderen.

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Auf den Montagabend dieser Woche freue ich mich besonders, auch weil wir um 19.30 Uhr in der Aula "Hör-Kino" erleben dürfen. "Kuss am Bau" heisst das Stück von This Wachter. Erzählt wird die Geschichte des Graffitis "nur ein kuss". Dabei wird "Neues und Altes unter der KZO-Sonne" zum Vorschein kommen.

Alle sind herzlich eingeladen.

 

 

Martin Zimmermann