Heiri Mettler, 15. April 1939 – 26. Oktober 2014

Heinz Lippuner

Wir haben am 5. November 2014 in der reformierten Kirche von Volketswil von Heiri Mettler Abschied genommen. Als Deutschlehrer hat er an der KZO von 1978 bis 1994 unterrichtet, und von 1976 bis 1986 war er zudem Privatdozent und bis 1996 Titularprofessor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Er hat die Doppelrolle als Kantonsschul- und Universitätslehrer auf dem Fundament seiner intensiven Beschäftigung mit der italienischen Renaissance nach dem Ideal des Uomo universale gestaltet und war seinen Schülerinnen und Schülern, seinen Studentinnen und Studenten, Lizentianden und Doktoranden ein geduldiger und kompetenter Mentor, wenn es darum ging, den literarischen Diskussionsgegenstand so weit wie nur möglich auszudifferenzieren. Besonders genau ging er auch ausserhalb von Schulzimmer und Seminarraum auf jene Gesprächspartner ein, die ihn im Entwickeln von scharfsichtigen Gedankengängen begleiten wollten. Er selber hatte das gelernt als langjähriger Assistent und wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Emil Staiger. Von diesem Können floss vieles zurück in die Mittelschule, die er immer in enger Verbindung mit der Studienzukunft seiner Schülerinnen und Schüler sah. Solange die Matura das Eintrittsbillett für die Universitäten ist, war Heiris Brückenbau für den akademischen Bildungssektor zentral und müsste es in Zukunft als weitere Möglichkeit bleiben. Sollten die Mittelschulen den Kontakt zu den Universitäten verlieren, sei es weil sie ihn selber abbrechen und es keine Lehrerinnen und Lehrer mehr gibt, die sich wissenschaftlich und nicht nur pädagogisch/didaktisch fortbilden, niemand von ihnen mehr ein Interesse hat, als Mitarbeiter an Universitätsveranstaltungen oder gar als PDs tätig zu sein, dann hat die Matura ausgedient. Aufnahmeprüfungen werden dann den Eintritt an die weiterführenden, akademischen Institutionen sicherstellen müssen. In gewissen, vor allem naturwissenschaftlichen Fachgebieten und im europäischen Ausland sind wir ja schon so „weit“. In Heiri Mettlers Bildungsverständnis war es klar, dass nur wer selber wenigstens teilzeitlich auch an einer Universität tätig ist, weiss, worauf er seine Mittelschülerinnen und Mittelschüler eigentlich vorbereitet. Das hatte bei ihm und hat auch weiterhin nichts mit akademischem Dünkel zu tun, sondern mit der Realität der noch immer engen, gegenseitigen Verzahnung von Mittelschule und Universität bzw. Technischer Hochschule. Im Grunde wäre die Kombination einer Lehrtätigkeit an beiden Institutionen der Idealfall und würde auf der anderen Seite die Universitätsdozenten dazu zwingen, die Mittelschulen und nicht die Industrie und Banken als ihre eigentlichen Partner hochzuschätzen.

Es sei darum noch ein kurzer Exkurs zu Heiri Mettlers wissenschaftlicher Tätigkeit gestattet: In seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ (1795) legt Friedrich Schiller dar, dass der Mensch erst über die sinnliche Wahrnehmung Sprache und damit „Vernunft“ entwickelt. Und erst durch „Vernunft“ ist es ihm möglich „sinnvoll“ und auch „moralisch“ zu handeln. Damit diese humanistischen, letztlich aus der Renaissance und der Aufklärung herzuleitenden Ideale verwirklicht werden können, gibt es „keinen anderen Weg, den sinnlichen Menschen vernünftig zu machen, als dass man denselben zuvor ästhetisch macht“  - so Schillers Behauptung im 23. Brief. Heiri Mettlers Habilitation hat sich mit dieser Thematik breit auseinandergesetzt und war damit Programm auch für sein Wirken als Deutschlehrer an der KZO.