Life’s but a walking shadow, a poor player
That struts and frets his hour upon the stage
And then is heard no more. It is a tale
Told by an idiot, full of sound and fury,
Signifying nothing.

Macbeth, Act V

Wochenbrief 16: 18. – 23. April 2016

Es ist durchaus nachvollziehbar, wieso Macbeth in der Sinnlosigkeit den letzten Sinn sieht. Die Prophezeiungen der Hexen haben sich nicht in seinem Sinn erfüllt; der Usurpator Macbeth erkennt, dass die Blutspur, die ihn kurzzeitig auf den Thron Schottlands hievte, letztendlich zu seinem eigenen gewaltsamen Tod und zur Zerstörung des Königreichs führt. Die Sinnlosigkeit ist eine letzte Zuflucht, weil sie ihn auch von der Verantwortung seines Handelns entbindet.

Nun sind aber wohl die wenigsten von uns im Begriff den schottischen Thron zu usurpieren. Welchen Sinn macht es also, sich in unserem Zeitalter überhaupt noch mit Macbeth oder Shakespeare im Allgemeinen zu befassen? Weshalb nur veranstalten Anglistinnen und Anglisten weltweit – und an der KZO – zum 400. Todestag des „Bards“ solch „sound and fury“? Mutet es nicht sogar makaber an, einen Todestag zu „feiern“? Gerade Schülerinnen und Schülern, die zurzeit von Shakespeare-furiosen Lehrpersonen zur Lektüre „gezwungen“ werden, kann man nicht verübeln, dass ihnen der ganze Rummel nichts bedeutet (signifying nothing).

Wie immer bei Kulturgrossjubiläen dieser Art, wird der Jubilar besungen, beschrieben, bespielt, beworben. Was der kanadische Literaturkritiker Northrop Frye für die Bibel festgestellt hat, kann auch für Shakespeare geltend gemacht werden: Die Werke über Shakespeare, so legitim und wichtig sie auch sein mögen, drohen sein eigentliches Werk zu verdecken oder gar zu ersetzen. Oder wie es Mark Twain so treffend formuliert hat: Ein Klassiker ist ein Werk, das alle preisen, aber niemand liest.

Wer sich aber geduldig durch die „sound and fury“ – auch der elisabethanischen Sprache – hindurchkämpft, mag erstaunt sein, wie treffend Shakespeare die Verknotungen des menschlichen Daseins erfasst hat, und mag erschrecken, dass z.B. Macbeths innere Konflikte sich nicht so fundamental von den Unsrigen unterscheiden, wie wir uns das wohl wünschen würden – einschliesslich der existenziellen Krise ausgelöst durch die auf die nächste Englischstunde zu bewältigenden Shakespeareszenen. Diese Begegnungen mit dem eigentlichen Text herzustellen, ist also ein wichtiges Ziel der Shakespearelektüre. Sie führen uns vielleicht dazu, zu erkennen, dass Shakespeare’s Werke „tales told by a genius“ sind, „full of sound and fury, signifying something important.“

Daniel Cojocaru, Englischlehrer