Zuerst wurde ich auf den Leistungsdruck hingewiesen, der schon jetzt sehr hoch sei. Ob man denn unsere Gymnasiasten wirklich einem solchen Drill aussetzen müsse? Ob nicht die Musse wichtig sei für die Bildung?
Dann verschob sich die Kritik auf die Frage nach den Knaben und jungen Männern, die besonders betroffen seien. Gerade die Jungs, hiess es, hätten keine Chance, den Anforderungen in allen Fächern gerecht zu werden. Die Mädchen könnten sich schulisch besser einordnen, weil sie entwicklungspsychologisch den Knaben voraus seien.
Unabhängig von meinem Wochenbrief tauchten dann in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten auch noch Fragen auf, die das Geschlechter-Verhältnis in der Lehrerschaft betreffen. Es sei ungünstig für die Knaben, wenn sie mehrheitlich von Frauen unterrichtet würden. Und überhaupt: Die Feminisierung der Gymnasien dürfe nicht noch weiter fortschreiten. Das alles hat bei mir einige Fragen ausgelöst.
Müsste man die Knaben vielleicht ein Jahr später einschulen? Wäre es sinnvoll, wieder geschlechtergetrennte Klassen zu bilden? Müssten die Jungenklassen dann kleiner sein als die Mädchenklassen? Kommen möglicherweise viele Jungs, die ein Gymnasium absolvieren könnten, gar nicht mehr zu uns, weil eine Lehre für ihre Karriere aussichtsreicher ist? Brauchen wir wieder mehr männliche Lehrer? Muss und kann die Schule die offenbar fehlenden Väter eigentlich ersetzen? Haben wir in der Schweiz gar ein Männer-Problem?
Da sind Fragen dabei, mit denen sich auch die Schule beschäftigen muss. Mich irritiert die Sorge um unsere Jungs und die Männer dennoch ganz leicht. Wenn es so schlecht um sie bestellt ist, warum müssen dann laut Bundesamt für Statistik in der Schweiz Frauen für den gleichen Lohn immer noch mehr leisten als Männer? (Bundesamt für Statistik)
Martin Zimmermann, Rektor
PS: Die Online-Ausgabe des Zürcher Oberländers präsentiert ein schöne „Fotostrecke“ mit Impressionen von der Maturfeier (www.zo-online.ch).