Wochenbrief 47: 17. – 21. November 2014

„Gar ned krank is a ned gsund“, soll Karl Valentin gesagt haben. Woher das Zitat auch immer stammt, es hat mich angesprochen. Unsere Gesellschaft und deshalb auch unsere Schule haben offensichtlich manchmal Schwierigkeiten, wenn nicht alles ganz normal verläuft, wenn also nicht einfach alles „gesund“ ist.

Zähne werden gerichtet, die Stellung der Ohren operativ optimiert und auch Nasen bekommen eine perfekte Form, damit sie möglichst einem Idealbild entsprechen. In der Erziehung – von der Schule – wird aber gefordert, dass die notwendige Frustrationstoleranz gefördert wird. Man spricht von der so genannten Resilienz, die ausgebildet werden muss. Das ist die Fähigkeit, mit schwierigen Situationen, mit Belastungen, Störungen, Krankheiten, Kränkungen etc. umzugehen. Wer Resilienz-Erziehung fordert, weiss, dass es normal ist, wenn nicht alles optimal läuft. Er weiss, dass es gesund ist, das heisst normal, nicht ganz gesund („normal“) zu sein.

Per Google findet man viele Definitionen und Überlegungen zur Resilienz. Dazu gehören beispielsweise das Vertrauen in die Selbstwirksamkeit oder die Einbindung in ein soziales Netz. Eine Beschreibung der Resilienz hat mir besonders gut gefallen: wissen, wann und wo man Hilfe holen kann, wenn dies nötig ist. Das halte ich tatsächlich für zentral. Es ist ein Zeichen von Stärke, die eigene Schwäche zu erkennen und – falls man in einer bestimmten Situation damit nicht zurecht kommt – sich an andere zu wenden.

Ich hoffe, dass es an unserer Schule auch zur Kultur gehört, Schwächen eingestehen zu dürfen. Ich erinnere bei dieser Gelegenheit deshalb gerne daran, dass man auf unserer Website ein breites Unterstützungsangebot findet.

Vielleicht braucht es in vielen Fällen aber einfach auch nur andere Menschen, bei denen man sich akzeptiert fühlt.

Ich wünsche allen gerade in diesen trüben Novembertagen gute Freundinnen und Freunde, interessante gemeinsame Erlebnisse und Diskussionen.

Martin Zimmermann, Rektor

PS: Wir gratulieren Tamara Altmann (C4a) und Micha Zeller (C4c) ganz herzlich, die beim Informatik-Biber Wettbewerb einen 1. Preis gewonnen haben. Ein Dank geht auch an Flavio Bernasconi und Claudio Müller, die AM-Lehrer von Tamara und Micha!