Wochenbrief 35: 24. – 28. August 2015

Die Idee war verlockend. Man definiert in den Fächern Deutsch und Mathematik die „basalen Kompetenzen“, welche für alle Studienrichtungen unabdingbar sind, und optimiert dann die gymnasialen Lehrpläne, wenn sich dies als nötig erweisen sollte.

Nun liegt das Resultat der „Festlegung basaler Studierkompetenzen“ vor. Professor Eberle und sein Team von der Universität Zürich zeigen in einem sorgfältigen und umfassenden Bericht zuhanden der EDK, wie sie methodisch vorgegangen sind und wie sie die Fähigkeiten bestimmt haben, über welche aus ihrer Sicht Studierende in Deutsch und Mathematik verfügen müssen.

Im Fach Mathematik entspricht die Liste der basalen Kompetenzen ungefähr 75% des KZO-Stoffplans. Auch im Fach Deutsch stellt man eine grosse Übereinstimmung mit dem KZO-Lehrplan fest. Da gibt es also keine Überraschungen, Änderungen drängen sich aufgrund des Berichts nicht auf.

Die Autoren machen auch Vorschläge, wie sichergestellt werden soll, dass wirklich alle Maturandinnen und Maturanden die Lehrziele erreichen. Sie geben didaktische Tipps (z.B. zielerreichendes Lernen, interdisziplinäre Verortung, Verbesserungen im Bereich der Leistungsbeurteilung) und sie propagieren vor allem Stützunterricht.

Die Kompensationsregelung, nach der man auch mit ungenügenden Noten in Deutsch und/oder Mathematik die Matur bestehen kann, soll laut Eberle-Papier aber nicht angetastet werden. Eine Zentralmatur lehnt der Bericht zum Glück ebenso ab und verweist auf Studien, die belegen, dass standardisierte zentrale Prüfungen grosse Nachteile mit sich bringen.

Enttäuschend ist für mich allerdings, dass der Bericht nichts über die Bedingungen sagt, unter denen am Gymnasium unterrichtet wird. Er erwähnt zum Beispiel an keiner Stelle, dass in den beiden untersuchten Fächern 25% weniger Lektionen zur Verfügung stehen als vor 20 Jahren. Unter diesem Aspekt irritiert der Vorschlag, man müsse mehr Stützunterricht anbieten – notabene ohne die Ressourcenfrage in unseren sparfreudigen Zeiten zu thematisieren.

Ich zweifle daran, dass die Vorschläge des Berichts zielführend sind. Das Problem, dass einige Schülerinnen und Schüler an der Matur nicht über die basalen Kompetenzen in Deutsch und Mathematik verfügen, wird nicht durch einen Parallel-Lehrplan und Nachhilfe zu lösen sein.

Wäre es nicht viel einfacher und wirksamer, die Fächer Deutsch und Mathematik zu stärken, indem man die Noten in diesen Schlüsselfächern doppelt zählt?

Martin Zimmermann, Rektor

PS: Fast 90% der ehemaligen KZO-SchülerInnen geben in der Ehemaligenbefragung („Benchmarking“) zwei Jahre nach der Matur an, sie seien sehr zufrieden (quasi Note 5 oder 6) mit der Qualität ihrer Gymnasialausbildung.