Die Schulleitung hat die Mitglieder der Schulkommission gebeten, während des Urlaubs von Rektor Martin Zimmermann die Wochenbriefe zu verfassen. Der vierte Wochenbrief kommt von Gabriela Schöb.

Martin Zimmermann, Rektor

Wochenbrief 38: 15. – 19. September

Sie drehen in meinem Kopf, die Melodien, die wir am Probewochenende geprobt, geübt, gesungen, getanzt haben. Sie bilden den Soundtrack zu den Stimmungen, den Erlebnissen, den kurzen Gesprächen, die mich als Erinnerung in diese Woche begleiten. Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren singen im Jugendchor mit, den ich leite. Sie sind ab und zu ganz schön anstrengend, schwatzhaft, mühsam, schwer zu begeistern, pubertär missgelaunt, dann wieder sprühen sie vor Energie, haben tausend gute Ideen, singen so, dass den Leuten im Publikum die Tränen kommen.

Was ist es, was mich so begeistert an dieser Arbeit? Konzerterlebnisse? Oft mit Stress verbunden. Probearbeit? Mal beglückend, mal wahnsinnig anstrengend. Die hehre Kunst? Selten, wenn wir grad eine musikalische Sternstunde haben.

Nein, was mich wirklich immer wieder zutiefst berührt, ist, dass in der Musik all das einfliesst, was mir wichtig erscheint. Dass Leute in unserer Gesellschaft nicht nur einsam ihre Musik hören (Knopf im Ohr), nicht nur (was auch schön ist) gemeinsam einsam im Konzert sitzen, nicht nur in Auditionen ihre eigene Karriere vorantreiben sondern gemeinsam ein Ziel erreichen wollen, wie gut es ihnen auch immer gelingen mag.

Am Mittwochmorgen spazierte ich durch die Turnhallen der KZO und zu den Sportplätzen auf der Meierwiese, wo sich im Rahmen des Mittelschulsporttages verschiedene Mannschaften massen. Gewiss, ich sage es ungern, der Sport ist nicht meine Domäne, aber auch hier konnte ich diese Stimmung spüren. Dieses gemeinsame Wollen das hohe Engagement in der und für die Gruppe und die Kollegialität auch den gegnerischen Gruppen gegenüber. Das beeindruckte mich.

Ein einzelner Goalie, eine einsame Stürmerin entscheiden keinen Match. Beim Singen - und damit komme ich auf mein Feld zurück - ergibt sich kein harmonischer Klang, wenn sich Diven vor den Chor drängen. So, wie vom leicht behinderten Mädchen bis zum hochbegabten Jungen, von der Knaben-Altstimme bis zur jungen Frau mit souligem Timbre im Jugendchor alle ihren Platz finden, wenn sie sich darauf einlassen immer wieder einen gemeinsamen Klang zu suchen, so sollten wir alle in unterschiedlichsten Gruppen, die unser Können und unsere Persönlichkeit fördern, erleben können, was es bedeutet, mit unterschiedlichsten Leuten ein Ziel zu erreichen. Dazu braucht es mehr als das eigene Singen, nämlich weit offene Ohren um die Umgebung wahrzunehmen. Ich staune immer wieder, in wie hohem Masse die Jugendlichen im Chor das können und wünsche allen dass auch Sie, in welchem Feld auch immer, solch bereichernde Erfahrungen machen können. Hören Sie genau hin!

Gabriela Schöb, Mitglied der Schulkommission