Wochenbrief 43: 20. – 24. Oktober 2014

Im letzten Herbst schien mir das Thema „prüfen und bewerten“ noch stärker in der KZO-Luft zu liegen als sonst. In vielen (Lehrerzimmer-)Gesprächen ging es um Fragen der Beurteilung und Bewertung. Man diskutierte unter anderem auch darüber, ob sich der Unterricht zu stark um Prüfungen und Noten drehe.

Auch dieser und die nächsten beiden Wochenbriefe behandeln die wichtige Aufgabe der Lehrpersonen, die beurteilen und benoten müssen. Zu Beginn des Jahres 2014 hatte ich das Thema bereits intern aufgenommen, indem ich dem Kollegium der KZO einige Thesen zur Notengebung verteilt habe.

Ich gehöre nicht zu denjenigen, die Noten abschaffen möchten. Meine erste These lautete denn auch:

„Schülerinnen und Schüler wollen lernen, sie wollen deshalb auch Rückmeldungen zu ihrem Lernstand.“

Es gehört offensichtlich zum Menschsein, dass man Erfahrungen machen und lernen will. Man schaue sich nur einmal auf einem Kinder-Spielplatz um – für Erwachsenen-„Spielplätze“ gilt es nicht minder: Überall verfolgen Leute ihre Projekte, probieren etwas aus und drehen dann den Kopf in Richtung allfälliger Beobachter, weil sie hoffen, jemand könnte applaudieren. Es ist ganz normal, dass wir Reaktionen auf unser Tun erwarten.

In diesem Sinn ist es wichtig, Schul-Noten als Rückmeldungen zu verstehen. Nach Wolfgang Klafki, einem berühmten deutschen Erziehungswissenschaftler, sollen die Noten weniger „über“ die Lernenden aussagen. Sie sollen vielmehr Hinweise „für“ die Lernenden sein. Da wird wohl niemand widersprechen wollen. Trotzdem geht diese Selbstverständlichkeit gelegentlich in der Routine der Semesterpläne, Notenkonferenzen, Promotionsbedingungen etc. vergessen.

Wenn Noten von den Lehrpersonen und den Lernenden lediglich als Mittel zur Einstufung – zur so genannten Selektion – wahrgenommen werden, sind sie für den Lernprozess nicht fruchtbar. Eine Bewertung kann mehr sein als das Feststellen eines Leistungsstands (summative Beurteilung). Sie kann unter bestimmten Bedingungen auch aufzeigen, wie und wo der Lernende etwas verändern und verbessern kann (formative Bewertung).

Ich wünsche allen ein gutes Quartal!

Martin Zimmermann, Rektor

PS: Wir sind gespannt auf die Maturarbeiten, die am Montag um 10.15 Uhr im Sekretariat abgegeben werden müssen. Ich zweifle nicht daran, dass viel gearbeitet worden ist und die Erwartungen an die Rückmeldungen der Lehrerinnen und Lehrer gross sind.